CERAMICA DI LUGANO
1. Die Geschichte
Gründung: Die Ceramica di Lugano wurde 1885 gegründet. Sie war damit eine der ersten Fabriken dieser Art in der Schweiz und ein Vorreiter der Industrialisierung im Kanton Tessin.
Standort: Das grosse Fabrikgelände befand sich in Lugano, genauer gesagt im Quartier Molinazzo.
Bedeutung: Für Jahrzehnte war die Fabrik ein enorm wichtiger Arbeitgeber für die Region und ein Symbol für den industriellen Aufbruch im sonst eher landwirtschaftlich geprägten Tessin.
Das Ende: Nach über 80 Jahren Produktion musste die Fabrik dem wachsenden Konkurrenzdruck und den sich ändernden Marktbedingungen nachgeben. Die Ceramica di Lugano schloss ihre Tore im Jahr 1967. Die Fabrikgebäude wurden später abgerissen.
2. Produkte und Spezialisierung
Die Ceramica di Lugano war vor allem für ihre robusten und langlebigen Bodenplatten bekannt, die in unzähligen Villen, öffentlichen Gebäuden und Wohnhäusern im Tessin und darüber hinaus verlegt wurden.
Rotes Steinzeug ("Grès Rosso"): Ihre absolute Spezialität waren unglasierte, rot-scherbige Steinzeugplatten. Dieses Material war extrem widerstandsfähig, langlebig und wurde zum Markenzeichen der Firma.
Geometrische Formen: Sehr typisch waren, wie auch bei anderen Herstellern dieser Epoche, geometrische Formate wie Sechsecke (Hexagon), Achtecke (Oktogon) und die dazugehörigen Einleger.
Dekorative Platten: Sie stellten auch dekorierte Platten her, die oft im Stil der damals populären Zementfliesen (Cementine) gehalten waren und für aufwendige Bodenteppiche verwendet wurden.
Baukeramik: Wie die meisten Betriebe dieser Zeit produzierte die Fabrik auch einfachere Baukeramik wie Backsteine ("laterizi").
3. Einordnung und Vermächtnis
Die Ceramica di Lugano war das Tessiner Pendant zu den grossen Deutschschweizer Ziegeleien und Tonwerken, hatte sich aber, ähnlich wie Lausen, auf die Herstellung von hochwertigen Bodenplatten aus Steinzeug spezialisiert. Ihre Produkte prägten die Architektur der Belle Époque und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Südtessin.