BOIZENBURG FLIESEN
1. Geschichte und Entstehung
Standort: Das Werk befand sich in Boizenburg an der Elbe in Mecklenburg-Vorpommern. Die Stadt hatte schon seit dem 18. Jahrhundert eine Tradition in der Keramikherstellung.
Gründung als Duensing-Bicherox-Werke: Die moderne Fliesenproduktion startete dort 1903.
Die DDR-Zeit (VEB Fliesenwerke "Kurt Bürger"): Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk verstaatlicht und in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt. Es wurde zum mit Abstand grössten und wichtigsten Fliesenhersteller der gesamten DDR. Fast jedes standardisierte Bad und jede Küche in den Plattenbauten der DDR wurde mit Fliesen aus Boizenburg ausgestattet.
Nach der Wende: Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Werk 1990 reprivatisiert. Es firmierte unter dem Namen "Boizenburger Fliesen GmbH" und versuchte, sich auf dem neuen Markt zu behaupten.
Das Ende: Trotz Modernisierungen und neuen Kollektionen konnte das Werk dem enormen Wettbewerbsdruck nicht standhalten. Nach mehreren Insolvenzen wurde die Produktion 2011 endgültig eingestellt. Heute ist das riesige Werksgelände ein Industriedenkmal.
2. Produkte und Spezialisierung
Boizenburg war ein Massenhersteller, der aber ein breites Sortiment für unterschiedliche Bedürfnisse produzierte.
Glasierte Steingutfliesen: Das war das absolute Hauptprodukt. Die hellgrau glasierten Steingutfliesen, die ihr an Lager habt, sind der Inbegriff des DDR-Badezimmers. Diese Fliesen, oft im Format 15x15 cm, waren robust, funktional und millionenfach bewährt.
Bodenfliesen: Sie produzierten auch Steinzeug-Bodenfliesen, die widerstandsfähiger waren und in Fluren und Küchen zum Einsatz kamen.
Mosaik: Boizenburg war auch für sein Mosaik bekannt, das oft für dekorative Elemente oder in öffentlichen Bauten verwendet wurde.
Design: Während der DDR-Zeit war das Design natürlich stark standardisiert und funktional. Nach der Wende brachte die Boizenburger Fliesen GmbH aber auch sehr moderne und ansprechende Kollektionen auf den Markt.
Zusammenfassend: Boizenburg war mehr als nur eine Fabrik. Das Werk war das keramische Herz der DDR. Es war ein Symbol für den industriellen Aufbau und hat das Aussehen von Millionen von Wohnungen geprägt. Die Qualität der Fliesen war für die damaligen Verhältnisse sehr solide, weshalb man heute noch viele gut erhaltene Bäder aus dieser Zeit findet.